portrait nati fabio kunzSchon seit vielen Jahren leitet unser Vereinsmitglied Fabio Kunz als Chef-Trainer die U18 Nationalmannschaft der männlichen Jugend. Auch in diesem Jahr wird er wieder an der Seitenlinie stehen, wenn die U18 Weltmeisterschaft in Griesskirchen (AUT) gespielt wird. Wir hatten die Gelegenheit, Fabio in Bezug auf seine Arbeit bei der U18-Nati und der anstehenden Weltmeisterschaft ein paar Fragen zu stellen.

 

Seit vielen Jahren leitest du schon die U18 Nationalmannschaft der Männer. Eine Herzensangelegenheit für dich?
Das Amt als Cheftrainer der U18 Nationalmannschaft habe ich nach der Weltmeisterschaft im Jahr 2014 in Pomerode (Brasilien) übernommen. Davor war ich vier Jahre Assistentstrainer vom damaligen Cheftrainer Christian Zbinden. Bei der Nationalmannschaftskommission (NAKO) bin ich bereits seit etwa 12 Jahren dabei. Somit ja, die U18 Nationalmannschaft ist definitiv eine Herzensangelegenheit. Als Trainer der U18 Nationalmannschaft bist du die erste Bezugsperson zur Professionalität. Mit 15 – 18 Jahren musst du alles unter einen Hut bringen. Lehre, Studium, Familie, Freunde, Beziehungen, Party und den Sport. Das ist definitiv nicht einfach. Zudem arbeiten die U18 Spieler im Nationalkader gezielt in den Bereichen Technik, Taktik, Athletik, Physis und Mentaltraining. Das ist jedes Jahr eine enorme Herausforderung für den Athleten aber auch für uns. Aber genau das ist der Reiz. Den jungen Spielern aufzuzeigen, wie was gelöst werden kann, ihnen aufzeigen zu was sie fähig sind, wenn sie ihre Prioritäten ändern oder anpassen, … und noch viel mehr. Deshalb bin ich Nachwuchstrainer geworden. 

 
Gibt es eine WM oder EM, welche dir in den vergangenen Jahren speziell in Erinnerung geblieben ist?
Jede EM und WM erzählt ihre Geschichten. Speziell positiv war sicher der EM-Titel zuhause in Jona 2011. Auch das ½-Finale 2015 in Kellinghusen (Deutschland) gegen Deutschland (11:6 / 11:6 / 9:11 / 9:11 / 14:15) werde ich nie vergessen. In schlechter Erinnerung werde ich sicher die WM in Cali (Columbien) 2012 behalten, als wir Titelfavorit waren und im Endeffekt uns selber im Finale geschlagen haben.
 
Eine etwas kritischere Frage. Du hast schon viele WMs und EMs als Chef-Trainer erlebt, aber meistens muss die Schweiz hinter Deutschland und Österreich anstehen, warum?
Nicht ganz. Wir sind zwei Mal EM-Meister und einmal Vize-WM-Meister geworden. Aber ja, wir sind seit längerem die Nummer 3 in Europa und die Nummer 4 auf der Welt. Das kann und will ich nicht schönreden. Fakt ist, dass wir in den vergangenen Jahren mit einer 1. Liga Mannschaft an einem Eliteturnier mitgemacht haben. Die U18 Teams aus Deutschland, Österreich und Brasilien haben Spieler dabei, welch in ihrem Verein Stammspieler in der höchsten Landesliga sind. Die kennen den Druck und die enorm höheren spielerischen und taktischen Anforderungen und können damit umgehen. Das Problem in der Schweiz ist, dass unsere Vereine in der Nationalliga A und B, wenig bis keine jungen Spieler einsetzten. Wenn du in der Schweiz U18  Spieler bist, dann spielst du in der 2. oder 1. Liga und wenn du einen guten Verein hast, dann bist du Ersatzspieler in der Nationalliga A oder B. Da merkt man schnell, dass es in der U18 international nicht reicht.
Anders sieht es da bereits in der U21 aus. Ich gebe ein Beispiel. 2011 und 2013 wurden wir EM-Meister und 2012 Vize-WM-Meister. Warum? Von den 10 Nationalspieler waren 8 Stammspieler in ihrem Verein in der Nationalliga A! 2018 waren wir in Amerika an der WM und spielten uns auf Platz 4. Von den 10 Nationalspieler waren 2 Ersatzspieler in der Nationalliga B (keine Spielpraxis), 4 spielten in der 1. Liga und 4 in der 2. Liga. Das die Jungs über sich hinausgewachsen sind und eine super WM gespielt haben, hat kein «externer» gemerkt. Fakt ist, wir wurden nur 4ter. Als Trainer kann ich dann mit den daraus entstehenden Diskussionen nur schwer umgehen. Wenn wir bereits in der U18 Erfolg haben wollen, müssen die Schweizer Vereine endlich merken, dass man in den beiden höchsten Ligen neben den erfahrenen Spieler auch auf die Jungen setzten muss.
 
Von aussen gesehen scheint der Kader für die WM in Griesskirchen in diesem Jahr gut aufgestellt. Was ist dein Eindruck nach den Trainingseinheiten in der Vorbereitung?
Ja wir haben einen starken Kader und einen super Teamgeist. Man merkt den Willen und den Ehrgeiz des Teams. Wegen der Corona-Pandemie konnten wir «nur» Trainingseinheiten und keine Turniere oder Spiele durchführen. Die Trainingseinheiten gestallten wir daher in jedem Fachbereich intensiver und harter. Es war bis jetzt eine sehr gute Vorbereitung und nach dem letzten Trainingstag anfangs Juli sind wir bereit.
 
Dann können wir ja mit gutem Gewissen fragen, wie du und dein Team das Ziel für die WM definiert habt?
Wir wollen unsere bestmögliche Leistung abrufen, um grosses zu bewirken. Aber ich glaube, ihr wollt ein etwas genaueres Ziel von mir hören. Das primäre Ziel ist das ½ Finale. Das Sekundäre das Finale. Und im Finale ist bekanntlich alles möglich.
 
Nach so vielen Jahren als Trainer der U18 Mannschaft, wäre dann der logische Schritt zu den Grossen, der A-Nati?
Hmm ja das wäre eigentlich ein logischer Schritt. Ich werde sicher noch bis zur WM 2023 im Amt als Cheftrainer der U18 Nationalmannschaft bleiben, sofern die NAKO das möchte. Dann schauen wir weiter. Nach so langer Zeit bei den U18 würde aber eine kleine Pause sicher gut tun.
 
Und noch eine abschliessende Frage. Wirst du deinem Sohn Gian einmal empfehlen, Faustball zu spielen?
Ich werde Gian das gleiche sagen, wie ich zu Leonie und Janik sage und mir einst mein Vater sagte. Was du machst ist mir egal. Das du etwas machst ist mir wichtig. Und wenn du’s machst, dann tu es mit Leidenschaft!! Ich werde dem Faustball und meinem Verein, dem TSV Jona, treu bleiben. Dass Gian dann genau wie Leonie und Janik beim TSV Jona Faustball spielt, ist durchaus möglich.
 
Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Der TSV Jona wünscht dir, deinem Stuff und natürlich den Spielern alles Gute für die WM.